Therapiehund Milly im Einsatz

Wirkungsweise

Man kennt die tiergestützte Therapie bereits aus dem Bereich der Reittherapie mit Pferden oder im Rahmen der Therapie von Patienten mit spezifischen Behinderungen als Schwimmen mit Delphinen. Die tiergestützte Therpapie mit Hunden ist in Deutschland noch vergleichsweise neu.

Angefangen hat alles durch einen Zufall. Der amerikanische Kinderpsychiater Boris Levinson hatte in den 60er Jahren während einer Therapiestunde mit einem seiner kleinen Patienten entdeckt, dass der verhaltensgestörte Junge wesentlich zugänglicher war, wenn sein Retrieverhund Jingles anwesend war. Der Junge hatte bis dahin jeglichen Kontakt zu dem Arzt verweigert und alle Therapieversuche waren bis dorthin fruchtlos, während er sofort anfing zu reden als der freundliche Hund auf ihn zukam. Von da an begann Levinson den Hund konkret in sein Behandlungskonzept einzubeziehen. Der Hund fungierte offensichtlich als Eisbrecher und ermöglichte den Zugang zu seinen Patienten. Jingels half den Kindern Vertrauen zu fassen und konnte die Reserviertheit und ihre Feindseligkeit durchbrechen.

Mittlerweile ist bekannt, dass Patienten mit erlittenen Herzinfarkten höhere Überlebenschancen haben, wenn sie Haustiere halten. Allein der Besitz eines Hundes fördert die Gesundung. In verschiedenen wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass das Streicheln und selbst die Anwesenheit eines Hundes den Blutdruck senkt und den Herzschlag verlangsamt. Es konnte somit zweifelsfrei bestätigt werden, dass die Haltung von Hunden positive physiologische Wirkungen bewirkt. Das Stichwort heißt Oxytoxin, ein Glückshormon, das freigesetzt wird, wenn wir einen Hund berühren oder einfach nur anschauen. Vielleicht kennen Sie die Situation aus der S-Bahn und wie sich der Gesichtsausdruck der vor sich hin starrenden Passagiere verändert, wenn ein Hund das Abteil betritt. Kinder werden in der Regel schnell neugierig und fragen oft, ob sie das Tier streicheln dürfen.

therapiehund milly berlin therapiehund 1Foto: dogcoach-institut.de

In weiteren Untersuchungen wurde zudem bestätigt, dass die bloße Anwesenheit von Hunden in Streßsituationen damit verbundene Streßsymptome reduziert – und das sowohl bei Hundebesitzern als auch bei Nichthundebesitzern. Die Pulsfrequenz verringert sich und auch weitere meßbare Stoffwechselparameter sinken. All diese Untersuchungsergebnisse in der Mensch-Tier-Beziehung können somit die förderliche Wirkung bestätigen und somit die Berechtigung des Einsatzes von Hunden in der Therapie wissenschaftlich belegen, jedoch sagen sie nichts über den eigentlichen Hintergrund und den wesentlich bedeutsameren Zweck zum Einsatz eines Therapiebegleithundes aus – nämlich dem der LIEBE.

therapiehund milly berlin therapiehund 2Foto:grovesmuehle.de

Nun lässt es sich natürlich darüber streiten, ob ein Hund lieben kann. Unbestreitbar ist jedoch die Tatsache, dass die Kontaktaufnahme eines Hundes immer ehrlich ist. Der Hund legt keinen Wert auf Äußerlichkeiten oder Statussymbole, auf die wir Menschen oft so großen Wert legen. Für den Hund kommt es darauf an, wie der Mensch sich ihm gegenüber verhält. Daher eignet sich der Hund speziell im therapeutischen Umgang mit Kindern, da ihre Art der Kontaktaufnahme meist sehr direkt und ehrlich gemeint ist. Kinder gehen in der Regel neugierig und unbefangen auf Tiere zu, wenn man sie lässt. Der Hund erwidert diese Gefühle, er ist offen und in seinen Botschaften eindeutig und zuverlässig. Das vermittelt den Kindern Sicherheit, weil sie nicht befürchten müssen, dass er sich plötzlich abwendet oder seine Zuneigung entzieht. Die Kommunikation mit einem Hund ist unbedrohlich und man muss keine Angst haben kritisiert zu werden. Der Hund ist ein geduldiger Zuhörer und konrontiert nicht mit Verhaltensweisen mit denen Kinder überfordert sind. Für Kinder mit negativen Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen ist das Balsam für die Seele und oft erfahren sie in der Kind-Hund-Beziehung das erste Mal positive. Der Hund vermittelt das Gefühl bedingunslos akzeptiert zu werden und ist ein verlässlicher, treuer Partner. Er hilft, das Selbstwertgefühl zu fördern und die Persönlichkeit zu entwickeln. Die Entwicklungshilfe findet jedoch nicht nur im Bereich des Sozialverhaltens statt, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten werden spielerisch gefördert, da die Kinder lernen, den Hund genau zu beobachten um kommunizieren zu können, sonst gibt es Schwierigkeiten. Die langfristigen positiven Wirkungen sind nicht zu unterschätzen.

therapiehund milly berlin therapiehund 3Foto: therapiehunde-wettringen.de

Ansprüche an den Hund

Welcher Hund eignet sich nun als Therapiebegleithund? Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich generell jede Rasse dafür eignet, ob groß oder klein. Es sind weniger die phyischen Gegebenheiten als die charakterliche Eignung des Hundes Voraussetzung, wobei es auch hier nur wenige Einschränkungen gibt, kommt es doch in der Regel immer auf den Halter an, der am Ende der Leine steht. Grundsätzlich sollte es vor der Entscheidung den Hund als Therapiebegleithund ausbilden zu lassen, einen Eignungstest zum Schutz des Hundes geben, der die charakterliche Eignung des Tieres prüft. Es gibt Tiere, die in der Therapiearbeit aus Gehorsam und Loyalität ihrem Besitzer gegenüber vieles mitmachen, dannach aber mit Stresssymptomen reagieren.

therapiehund milly berlin therapiehund 7Foto: helfendepfoten.de

Entscheidende Faktoren für die Eignung als Therapiehund ist dabei nicht unbedingt der Gehorsam, sondern Menschenfreundlichkeit und Nervenstärke. Ein Therapiehund sollte den Kontakt zu Menschen nicht nur von sich aus aktiv suchen, sondern das Streicheln und die Berührungen richtig gehend genießen. Therapiehunde sind gerade im Einsatz mit älteren und dementen Menschen oder im Umgang mit behinderten Patienten gelegentlich Vereinahmungen ausgesetzt und müssen sich auch in solchen Situationen als stressrestistent erweisen. Sie dürfen auf eventuelle schmerzhafte Reize nicht mit aggressiven Schnappen reagieren und bedürfen generell einer hohen Reizschwelle, auch gegenüber akustischen und optischen Reizen. Allgemein gesprochen muss ein Therapiehund über eine niedrige Aggressionsneigung verfügen. Ein ausgeglichenes Wesen ist dabei von Vorteil sowie Friedfertigkeit gegenüber Artgenossen und ein geringes Aktivitätsniveau. Günstig ist dabei, wenn der Hund gut über Futteranreize ansprechbar ist und bereits früh an die Zielgruppe sozialisiert wurde. Dies ist aber keine Voraussetzung, da sich grundsätzlich auch ältere Hunde als Therapiehunde eignen und ausgebildet werden können. Es erweist sich sogar oft als Vorteil, wenn der Hund etwas reifer ist und Erscheinungen des Flegelalters nicht mehr auftauchen, da er besser trainiert und auf die entsprechenden Einsätze vorbereitet werden kann.

Ausbildung des Therapiehundes

Die Angebote in dieser Hinsicht sind unterschiedlich. Diese reichen über Vollzeitausbildung bis hin zu Wochenendenseminaren und berufsbegleitenden Unterricht am Abend. Die Ausbildung erstreckt sich in der Regel über eine Sachkundeprüfung in schriftlicher und praktischer Form in mehreren Bereichen:

Kynologie:

Stressreaktionen des Hundes

Impulskontrolle im Einsatz

Kommunikation des Hundes

Entwicklung des Welpen

Einsatzgrundsätze:

Ablaufstrukturen und Hygiene in verschiedenen Besuchssituationen

Planung, Vorbereitung und Durchführung bzw. Nachbereitung eines Einsatzes

Umgang mit Handicaps

Umgang mit Dementen und Angstpatienten

Humankunde:

Umgang und Kommunikation mit Menschen

Beratung und Gesprächsführung

Einsatztraining mit Kindergruppen und Senioren

Erste Hilfe am Hund

therapiehund milly berlin therapiehund 5Foto: foerdernde-pfoten.de therapiehund milly berlin therapiehund 6Foto: snautz.de

Die Fahigkeiten des Therapiebegleithundteams werden in nachgestellten Situationen trainiert und auch in echten Einsätzen mit Kindern und Senioren erprobt. Am Ende der Ausbildung findet in der Regel eine schriftliche Prüfung zu den erworbenen theoretischen Kenntnissen statt und eine praktische Prüfung unter realen Bedingungen mit Kindern oder Senioren. Das Therapiebegleithundteam erhält nach bestandener Prüfung einen Zertifizierungsnachweis und ist von dortan berechtigt, in öffentlichen Institutionen wie Kindergärten, Senioren- und Behinderteneinrichtungen, Spitälern, Hospizen usw. tätig zu werden. Die Prüfung wird im Abstand von ca. zwei Jahren regelmäßig wiederholt, um die Einsatzfähigkeit des Therapiebegleithundteams sicherzustellen.therapiehund milly berlin therapiehund 4Foto: collie-castle.de

Ansprüche an den Halter des Therapiehundes

Wichtig erscheint mir noch zu erwähnen, dass sich auch der Halter des Hundes seiner hohen Verantwortung bewusst ist, die er zum einen für den Hund, den Klienten aber auch für sich trägt. Er sollte sich seiner gewahr sein wie er selbst mit Stresssituationen umgeht und wo seine Grenzen liegen. Nicht jeder ist dafür geeignet mit schweren Behinderungen umzugehen oder im Hospiz zu arbeiten.

 

 

 

 

 

Therapiehund Milly und Heilpraktikerin (PSY) Heidi Sonntag im Einsatz

Ellwanger Str. 11a - 12247 Berlin

Impressum | Datenschutzerklärung | Login